Anke Puhlmann

Haximiliane, Max und Bux werden Piraten                 




Pirat sein, das ist kein Beruf. Piraten waren und bleiben Halunken. Philosophin, das ist ein Beruf, wenn auch selten. Wisst ihr denn, was ein Philosoph ist? Ja, richtig. Ein Philosoph Ist einer, der über die Welt nachdenkt und Ideen entwickelt. Haximiliane war so eine Philosophin, klein wie ein Mäuschen, aber laut wie ein betrunkener Hafenarbeiter.

Zimmermann ist auch ein Beruf. Ein Zimmermann hat das Haus von meiner Freundin gebaut, ganz aus Holz. Max hat dieses Haus nicht gebaut, aber auch Max war ein Zimmermann und so groß, das er sich immer am Türrahmen den Kopf stieß, wenn er in seinem Haus ein und aus ging.

Fünfsternekoch sein, ist eine leckere Angelegenheit. Als Fünfsternekoch kann man von vielen guten Speisen kosten. Darum war Bux auch so dick wie ein wilder Eber. Er schnaufte auch so.
Haximiliane, Max und Bux waren gute Freunde und sich in einem einig: Mit seinem Beruf Geld zu verdienen ist mühsam.

An einem Sonntag, als sich die drei von der Arbeit erholten, beschlossen sie, Piraten zu werden und in fremden Ländern nach Gold zu suchen. Das stellten sie sich leichter vor, als zu arbeiten.
Wie schon gesagt, Pirat sein, das ist kein Beruf, aber einige Dinge braucht man dafür doch.
Wisst ihr denn was?

Haximiliane, die Kleine, kaufte sich einen Piratenhut und einen Ohrring, so groß wie eine Banane.
Max, der Große, überlegte, ob er sich ein Schwert oder ein Fernrohr kaufen sollte. Er nahm beides.
Bux, der Dicke, legte sich einen Papagei zu, der "Scheiße" sagen konnte und einen Schiffskompass für die richtige Richtung.

Aber die drei waren noch keine richtigen Piraten, denn etwas Wichtiges fehlte ihnen noch. Was denkt ihr, was das war?
Richtig, Piraten entern Schiffe und so war ihre erste Amtshandlung, ein Schiff im Hafen zu stehlen. Ihr hättet ihre Herzen dabei pochen hören müssen. "Bum, Bum!", dröhnte es. Trampelt doch mal ganz laut. Ja, so. Die Ohren hättet ihr euch zugehalten, wie ich jetzt.

Doch bald waren sie auf hoher See und ihre Herzen beruhigten sich wieder. Doch da tauchte das nächste Problem vor ihnen auf. Wohin sollte die Reise gehen? Haximiliane wollte nach Süden, weil es dort Urwälder gab. Sie hatte gelesen, das dort ganze Städte aus Gold stehen sollten. Max wollte nach Osten, weil dort die Sonne aufgeht. Das war ein Zeichen für ihn, das nur dort Gold zu finden sein musste. Bux aber wollte nach Norden, weil im Norden das Eis so schön glitzert
Und wo es glitzert, vermutete er Reichtum.

Sie konnten sich nicht einigen, und was richtige Piraten sind, die prügeln sich auch mal, wenn die Meinungen verschieden sind. Solch eine Prügelei habt ihr noch nicht gesehen. Mal war der Max oben und der Bux unten, mal war der Bux oben und der Max unten, doch meistens konnte man gar nicht erkennen, wer oben und wer unten war.

Haximiliane hatte auch Lust, sich zu hauen, aber die beiden Männer rührten sie nicht an, denn sie waren gut erzogen.
"Frauen schlägt man nicht!", wussten sie. Haximiliane konnte nur schimpfen: Ihr Mistkerle!",
doch so blieb sie bei dem Kampf als Einzige unbeschadet. Da Max und Bux ihre Beulen und Schrammen pflegen mussten, wurde sie Kapitän. Der bestimmt die Richtung und so segelten sie nach Süden.
Haximiliane steuerte das Schiff sicher ans Ziel und der Schiffskompass leistete gute Dienste.

Sie warfen Anker und ruderten lachend mit dem Beiboot an Land. Bald darauf begann die große Suche, doch soviel sie auch in den Urwäldern stöberten, sie fanden keine Städte aus Gold. Nur die Menschen, die dort lebten, hatten kleine Säckchen mit funkelnden Perlen darin, die Max mit ihrem Licht blendeten.

Hastig tauschte Max sein Fernrohr und sein Schwert dagegen. Wieder an Bord des Schiffes, wollten sie die Beute teilen, packten den Schatz aus und schätzten den Wert.
Plötzlich aber wurde Haximiliane rot wie eine Erdbeere und schrie laut: "Durch Gold kann man doch nicht hindurchsehen.".
Max und Bux erstarrten wie Wasser zu Eis und Haximiliane zeterte weiter: "Ihr Trottel, ihr Dummköpfe, ihr einsamen Idioten! Ihr habt euch Glasperlen andrehen lassen."

Diesmal blieb es nicht beim Schimpfen und sie stürzte sich todesmutig auf die beiden Versager. Schnell war wieder eine Rauferei im Gange. Haximiliane teilte kräftig Fausthiebe aus, aber sie musste auch viele Tritte einstecken. Bux war so faul wie dick, kein ernster Gegner und bald am Boden. Am Ende gewann Max, weil er so groß und stark war. Haximilianes Hut war ins Meer gefallen und ihr Ohrring abgerissen. Da Frauen eitel sind, wollte sie so, wie sie aussah nicht länger Kapitän sein. Bux heulte vor sich hin wie ein Wolf: "Hu, Hu, Hu!" Heult mal wie ein Wolf!

So wurde Max Kapitän und schipperte in Richtung Osten, wo die Sonne aufgeht. Doch je weiter sie nach Osten kamen, um so mehr blendete die Sonne. Fast blind davon dachte Max nicht daran, zu warten bis die Sonne im Westen untergeht. Traurig und mutlos kehrte er um.

Diesmal war Haximiliane bleich vor Wut und schimpfte erst gar nicht, sondern fiel gleich über Max und Bux her. Max war von der Verantwortung als Kapitän sehr geschwächt und hatte nicht die Kraft, sich zu wehren. Bux hatte sich inzwischen einen noch mächtigeren Bauch angefressen. Leicht war es so, die beiden anderen mit seinem Gewicht zu erdrücken.
Zu hören waren nur noch Schmerzensschreie wie "Au!" und "Uh!" und das Knacken von zerbrechenden Knochen. Nur Bux blieb heil, um den Posten als Kapitän anzutreten und nach Norden zu segeln.

Anfangs waren alle guter Stimmung und derbe Seemannslieder wurden gesungen, doch je weiter sie nach Norden kamen, desto dichter wurde das Eis um sie herum. Sie summten nur noch leise. Die Kälte kroch unter ihre Kleider wie eine Schlange unter den Stein und an ihren Nasen hingen Eiszapfen. Eines Tages ging es in diese Richtung nicht mehr weiter. Sie waren ganz von Eis umschlossen. Es gab kein Vor und kein Zurück. Ratlos starrten sie sich an. Haximiliane begann zuerst, heiße Tränen zu weinen und steckte die anderen damit an.
Ob man soviel weinen kann, dass Eis taut, weiß ich nicht, aber nachdem sie ganze Bäche, Flüsse, Seen und sogar Meere geweint hatten, schmolz das Eis und sie segelten abermals zurück.

Wieder auf hoher See und gerade der Gefahr entronnen, zu erfrieren, prügelten sie sich ein weiteres Mal. Sie kämpften wie noch nie. Das Schiff bebte und die See schäumte. Sie schrien wie Affen im Wald. Jeder gab jedem die Schuld. Es war einfach nicht mehr mit anzusehen.

Keiner wollte nachgeben. Nun hätten sie aufhören können, aber sie kamen erst wieder zu Verstand, als in dem Gemetzel Steuerrad und Segelmast zerbrachen, doch da war es zu spät. Nun nützte ihnen auch der Schiffskompass nichts mehr. Das Schiff trieb dahin. Niemand mehr wollte Kapitän sein. Alle sehnten sich nach Hause. Der Papagei flog genervt davon und man hörte ihn noch lange: "Scheiße, Scheiße, Scheiße" krächzen.

Das dachten die drei auch, bis nicht weit von ihrem Schiff eine Insel auftauchte. Das war Grund zum Jubeln. Sie setzten sich in das Beiboot und ruderten an Land. Die Gier nach Gold war wieder da und ihr Eifer ließ sie schnell vorwärtskommen. Eine Insel mit weißen Sandstränden, wilden Tieren, Kokospalmen und bunten Vögeln erwartete sie.

Vom kräftigen Rudern und der langen Reise hatten sie Hunger bekommen. Die leeren Bäuche knurrten laut. Sie fürchteten sich, die wilden Tiere zu jagen und die bunten Vögel flogen ihnen davon. Die Strände waren leer und die Kokospalmen so hoch wie Hochhäuser.

Um Ruhe und Zeit zu gewinnen, machten sie Rast unter einer Kokospalme mit herrlich großen Kokosnüssen.. Haximiliane lief das Wasser im Mund zusammen, so groß waren sie.
"Ich bin zu klein, um eine Kokosnuss zu pflücken", stellte sie traurig fest, "und auf Bäume klettern nur Kinder, um herunterzufallen."
Doch Haximiliane war Philosophin und hatte eine Idee. "Max, pflück du die Kokosnuss! Du bist groß genug." Max freute sich über die Idee und schon hielt er die Nuss in den Händen.
Bux setzte sich einfach auf die Nuss und sie war geknackt. Alle drei konnten sich an der köstlichen Kokosmilch satt trinken. Nun waren sie gestärkt für neue Aufgaben. Max, der Zimmermann, baute ihnen eine Hütte zum Schutz vor den wilden Tieren. Bux, der Fünfsternekoch, kochte für alle Schmackhaftes aus Nichts.

Piraten

Wenn ihr gut aufgepasst habt, wisst ihr, was mit ihrem Schiff geschehen ist. Sie hatten in ihrer Eile vergessen, Anker zu werfen und das Schiff trieb zurück in den Heimathafen zu seinen Besitzern. Die drei umarmten sich und beschlossen, für immer auf der Insel zu bleiben.
Was denkt ihr? Haben sie Gold gefunden oder nicht? Wenn nicht, was haben sie dann gefunden?

Haximiliane dachte sich einen Namen für die Insel aus, damit die Luftpost eine Adresse hatte:
"Captain Island."

Sie hat mir diese Geschichte mit der Post geschickt und vielleicht ist alles nur erstunken und erlogen.

© 2007 Anke Puhlmann