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Wer das Glück hat, sein gesamtes Leben mit Kindern zu verbringen und von Kindern umgeben zu sein, der wird nicht alt.
Ich habe dieses Glück, Kinder, Enkel und Urenkel zu haben, alle Altersgruppen in der Familie zu wissen. Man braucht den Kleinen und Großen nur zuzuhören, um zu wissen, was sie brauchen. Der Kindeskopf braucht Anstöße in Form von Ideen, Gedanken, Fantasie, Geschichten und Erlebnissen. Das Kinderherz braucht zugleich Zuneigung, Zeit, Wärme und Verständnis. Wie schnell kann es passieren, dass ein Kind sich allein gelassen fühlt. Ein anderes wiederum fühlt sich angebunden und immer nur festgehalten. Alle Kinder benötigen immer wieder Selbstvertrauen in ihre Kraft. Wehe, dieses geht verloren und es bleibt nur ziellose Überaktivität und Aggression übrig, um sich nicht aufzugeben und zu behaupten. |
![]() Foto: privat |
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Meine Du-Märchen sollen den Kindern helfen, mit sich selbst reden zu können und mit Unbilden zurecht zu kommen; die Dinge der Welt, die uns umgeben, zu verstehen, schließlich zuhören und sich auf eine Geschichte konzentrieren zu können und nicht zuletzt, über Gehörtes oder Gelesenes mit jemandem, der Zeit für das Kind hat, zu reden.
Die Möglichkeit, zu jedem Märchen selbst eine Farbe, ein Strichfigur oder ein Bild zu finden, eröffnet die Mitwirkung des Kindes an "seinen Märchen". "Ich bin dein Märchen" - wenn dieser Gedanke vom Kind wahrgenommen wird, dann hat das Büchlein sein Ziel erreicht und kann, wenn auch unbewusst, ein Leben lang als Du-Märchen im Kinde bleiben. |
Wilfried Pröger: Ich bin dein Märchen. Du Märchen - Märchen die stark machen und Selbstvertrauen geben.
Format 14,8 x 21 cm, Broschur, 36 Seiten, ISBN 978-3-939960-12-6, Preis: 4,80 Euro
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oder direkt beim Autor oder Verlag
Ein Interview mit Wilfried Pröger zu seinen Du-Märchen können Sie hier lesen.
Der Baum Ein Märchen für Erwachsene
Leseprobe aus den "Du-Märchen"
Der Dummling
Neulich hat einer zu dir gesagt, du wärst ein Dummkopf, der nichts begreift. Das hat wehgetan. Aber du konntest nichts dagegen machen. Am liebsten möchtest du dich verstecken, allein sein. Du kriechst unter einen Busch, wo dich keiner sieht. Nur die Ameisen krabbeln um dich herum. Sie können dir auch nicht helfen, obwohl sie kluge Tiere sind. Jede Ameise hat ihre Aufgabe. Dumme Ameisen gibt es nicht.
Plötzlich hörst du eine Stimme. Ein daumengroßes Männlein kriecht unter einem Blatt hervor. Das Märchen vom Däumling kennst du. "Bist du der Däumling?", fragst du ihn.
"Ja, ich bin vieles, der Däumling, der Dämling und der Dummling. In vielen Märchen bin ich zu Hause. Dummlinge werden überall gebraucht."
"Wieso überall gebraucht?"
"Sehr einfach. Ohne Dummlinge gäbe es keine Klugen. Die Klugen brauchen den Dummling, um so zu tun, als wären sie schlau. Wir Dummlinge sollen für sie herhalten, diese Schlaulinge."
"Das verstehe ich nicht."
"Sieh mal, wenn es kein Schwarz gäbe, könnte man kein Weiß dagegen setzen. Dabei braucht das Weiß gar nicht richtig weiß zu sein, grau reicht schon. Hauptsache ist, es gibt genug schwarz, damit das Weiß sich brüsten kann."
"Dann sind die Dummlinge schwarz?"
"Nein, das ist doch nur ein Beispiel dafür. Man kann es auch umgekehrt sagen. Warum interessiert dich denn das?"
"Zu mir hat einer Dummkopf gesagt. Ich würde nichts begreifen."
"Und nun bist du ganz klein geworden? Wenn dich das stört, dann wärst du wirklich ein Dummkopf. Wer so etwas zu dir sagt, will nur selber glänzen und ist eigentlich der wirkliche Dummkopf. Das musst du wissen."
"Was soll ich machen, wenn sie es wieder sagen?"
(Das Kind kann ein kleines Holzmännlein bekommen, zum Beispiel eine Figur vom Halma.)
"Am besten, du steckst dir ein kleines Männlein in deine Tasche, so ein Spielzeugmännlein. In dem Männlein stecke ich, der Däumling, drin. Mit mir zusammen kannst du dann lachen über solche Dummköpfe. Weil die aber schnell beleidigt sind, können wir beide nur heimlich lachen. Die echten Dummköpfe vertragen das nämlich nicht, wenn man über sie lacht. Wir beide können viel vertragen, weil wir wissen, dass wir nie und nimmer wirkliche Dummköpfe sind."
"Ist das wie im Märchen?"
"Ja, genauso ist das. Ich komme aus dem Märchen und weiß gut Bescheid. Wie oft war ich am Anfang der Dummling! Meine Brüder waren älter und stärker und hatten ihre Lust daran, mich auszulachen. Am Ende aber war ich der Klügere, weil mein Kopf und mein Herz ehrlich waren. Dann hatte ich die besseren Ideen, brauchte niemanden zu betrügen, habe keinen beleidigt und keiner konnte mir meinen Stolz nehmen. Je öfter sie mich Dummling nannten, umso mehr spürte ich, dass ich viel mehr wusste als sie," sagte das kleine Männlein und drehte sich um.
"Wo willst du hin, kluger Dummling?"
"Ich habe noch einen weiten Weg. Du bist doch nicht der einzige, den man für dumm hält. Viele brauchen mich. Außerdem bleibe ich bei dir, denn du hast mich ja als kleines Männlein in deiner Tasche. Ich bin immer da, wenn wir beide zusammenhalten müssen. Also, bis zum nächsten Mal!" Sprach's und war unter dem Blatt verschwunden.
Du kriechst unter dem Busch hervor. In deiner Tasche spürst du das kleine Männlein. Du denkst: Ich bin nicht alleine. Nennt mich einer dumm, fasse ich das Männlein in der Tasche an.
© 2010 Wilfried Pröger