Sandvikan Camping bei Kabelvåg

Sandvikan Camping - Abendstimmung

Traum oder Wirklichkeit?

Fjordimpressionen

Im Café aus sibirischem Treibholz

Felsformation im Stauran

Im Stauran

"Vogelkathedrale"


Reinhold Marsollek

"18 Nächte zur Mitternachtssonne"                                           



Reinhold Marsollek, 1954 in Schlesien geboren, kam 1970 nach Deutschland. Ursprünglich Elektroingenieur, arbeitet er seit 23 Jahren als Lehrer für Russisch und Sport an einer der weltgrößten Waldorfschulen in Bochum
Marsollek ist Inline-Skating-Weltrekordler in seiner Altersklasse und erfolgreich im Marathon- und Eisschnellauf und lebt in Bochum.
"Sport und Trimmen geben mir so viel. Ich bin guter Laune, fühle mich fit und bin niemals krank. In der freien Natur zu trainieren ist selbstverständlich besonders schön. Zugleich ist es spannend, sich selber herauszufordern."
Reinhold Marsollek ist verheiratet und lebt in Bochum.

Reinhold Marsollek




18 Nächte zur Mitternachtssonne


Allein mit dem Fahrrad und 30 Kilo Gepäck radelt Reinhold Marsollek durch Norwegen der Mitternachtssonne entgegen. In 18 Nächten fährt er jeweils 150 bis 220 Kilometer zum "äußersten Ende der Welt", dem Café aus sibirischem Treibholz auf der norwegischen Varanger-Halbinsel.
In 30 Jahren verbrachte Marsollek in den Ferien insgesamt etwa vier Jahre in Skandinavien.
Auf seiner Radtour begegnet er Menschen aus 16 Nationen, die mit dem Fahrrad, dem Auto, Motorrad oder mit dem Bus unterwegs sind.
Marsollek ist überzeugt davon, dass Jedermann – nach entsprechender Vorbereitung – zu individuellen Höchstleistungen in der Lage ist, dass Jedermann sich seinen eigenen Traum erfüllen kann.


Reinhold Marsollek: In 18 Nächten zur Mitternachtssonne. mit 150 Farbfotos, Paperback, 240 Seiten, Format 13,5 x 20 cm
ISBN 978-3-939960-08-9 Preis 19,80 Euro


Das Buch können sie in Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Verlag bestellen

Anfragen zu Buchlesungen und Bildvorträgen über seine 3000-Kilometer-Radtour durch Norwegen,
zu verschiedenen skandinavischen Themen, zur Ernährung oder auch zum Spezialtraining
bitte direkt an Reinhold Marsollek richten.
r.marsollek@web.de


Von Oslo bis zur Varangerhalbinsel


Presseecho




Leseprobe

Es war einmal ...
Ich vermute, jeder träumt sich im Laufe des Lebens irgendwann einmal in die verrücktesten Unternehmungen hinein, um dann schließlich so gut wie nichts davon zu realisieren. Ich vermute, das ist normal.
Will man aber etwas verwirklichen, so muss man vor allem anfangen!
Schon 1973 träumten Moni und ich von einer Ferienhütte am See, extrem hoch im Norden, z.B. bei Trondheim.
1979 teilten wir uns mit Freunden ein Sommerhaus auf Langeland in Dänemark, 1980 mieteten wir für drei Wochen ein Haus in Mittelfinnland. 1981 erfolgte die erste PKW-Zeltreise: vier Wochen mit Karstadtbilligzelt und 70 Dosen Konservenfutter im Kofferraum, "weil Norwegen so teuer ist". Es ging 7500 Kilometer durch Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland.
Mit den Jahren folgten Autofahrten mit Outdoor-Ausrüstung durch den Norden, Wanderungen durch Nationalparks, Winterfahrten nach Finnland.
Durch die allmählich erlangten Sprachkenntnisse erhielten wir in allen vier Ländern viele Tipps von Einheimischen und besuchten viele Highlights jenseits gewöhnlicher touristischer Pfade. Wer kennt zum Beispiel die Statue des Götterboten Hermes auf Källskär, der südlichsten Insel, der Kökarinseln, die wiederum die südlichste finnische, jedoch schwedischsprachige Gemeinde Finnlands auf den Ålandinseln bilden? Vielleicht sind nur Hermes' geflügelte Füße "schuld" daran, dass ich, nach ersten vorsichtigen Inlinerfahrten auf Kökar, fünf Jahre später, mit fast 50 Jahren, noch eine sehr erfolgreiche Karriere im Speedskating starten konnte?

Und du? Wann fängst du an, deinen Norden für dich zu entdecken?
Dänischer Humor, schwedische Offenheit, finnisches Sisu, norwegischer Wagemut werden auch dir zuteil, wenn du dich auf den Weg machst – wie auch immer.
Velkommen! Välkommen! Tervetuloa! Velkommen! Willkommen!


Mittwoch, 5. Juli 2006
Lofoten zwischen Reine und Kabelvåg
Ich merke, wie ich müde werde. Es ist weniger die physische als die mentale Erschöpfung. Die vielen Eindrücke wollen durch Schlaf verarbeitet werden. Mit Ausnahme des Nickerchens auf der Fähre bin ich allerdings auch schon seit 24 Stunden auf den Beinen.
Ich muss schlafen! Schon nach kurzer Suche ergibt sich wenige Meter von der Fahrbahn der E10 entfernt die Möglichkeit, das Zelt vor wunderbarer Kulisse aufzuschlagen. Für über zwei Stunden falle ich in Tiefstschlaf.
Ein vorbeiknatterndes Moped weckt mich.
Manchmal fürchte ich, aus einem Traum zu erwachen: Ha, ha! Du träumtest, du seiest mit dem Rad durch Norwegen unterwegs, nachts, zu Mittsommer, allein, keine motorisierten Touristenströme um dich ...
Es ist aber alles wie vorher: Der Zelthimmel über mir, die Stille draußen. Habe ich das Moped etwa nur geträumt? Nein, ich kann es in der Ferne noch immer ausmachen.

Meine Beine und mein Körper sagen mir, dass ich noch etwas Ruhe bräuchte. Ohne Knatterwecker hätte ich sicher viel länger geschlafen. Ich blicke nach draußen. Traumkulisse trotz bewölkten Himmels! Es ist kein Regen gefallen, nicht einmal Tau fiel nachts. Ich beschließe, das trockene Zelt einzupacken und weiter zu fahren.

Jetzt, da Brücken einzelne Inseln verbinden, ergeben sich durch diese Verbindungen auch immer wunderbare Ausblicke vom Brückenscheitel aus. Als Autofahrer kann oder darf man hier gar nicht stehen bleiben. Man hat einen anderen Wohnwagen vor oder hinter sich, oder der Gegenverkehr muss beachtet werden. Dann blickt man höchstens kurz und gestresst nach links und rechts – Schöne Landschaft registriert, Vorsicht! – Der Penner vorne braucht schon wieder all seine PS-Kraft zum Bremsen! – Noch mal gut gegangen, nächstes Mal passt du aber besser auf! – und rast auf die nächste Sehenswürdigkeit zu.
Ich kann hier oben stehen bleiben, nach unten blicken, die Ruhe und Windstille morgens um sechs genießen.

Nördlich von Ramberg komme ich zu einer weiten Bucht mit herrlichem, weißen Sandstrand.
Wir waren hier schon einmal vor neun Jahren. Bei strahlend blauem Himmel stürzten wir uns in die nur etwa elf Grad warmen Fluten. Die vielen Norweger am Strand beschränkten sich im Wesentlichen auf "Kneippsche Wasserkuren", lasen Zeitungen und genossen die Sonne und Hitze. Aus einem deutschen Reisebus stürzten etwa fünfzig Badehungrige im Seniorenalter heraus, um sich nach eigenem Bekunden "ins Meer zu werfen". Eine besonders eilige Dame rannte – schon in Badebekleidung – auf die Fluten zu, um als Erste das Nass zu erreichen! Als die ersten Wasserpfützen ihre Füße beleckten, wurde sie schlagartig zur "Walkerin" und beschränkte sich danach lediglich auf "Kneippsches Wassertreten". Nach höchstens 20 Minuten fuhr der Bus weiter nach Süden, der "deutsche Überfall" war beendet.

Nach einer Pause umrunde ich den Flakstadpollen, einen riesigen "Inselfjord", und verlasse nach 15 Kilometern für kurze Zeit das Meeresufer, um unterhalb der Nappzinnen längs zweier Seen nach Nordosten zu gelangen. Zwei Häuser am See hätten idyllischer nicht platziert werden können. Wenige Minuten nachdem ich das Haus mit Grasdach passiert habe, erschließt sich mir ein Blick über den Nappstraumen auf den Südzipfel der Insel Vestvågøya. Ich suche eine Verbindungsbrücke, finde sie aber nicht. Ein neuer, über 1700 Meter langer Tunnel ersetzt die Brücke.
Die Abfahrt durch die breite beleuchtete Röhre macht Spaß. Es geht fast einen Kilometer lang bis auf 63 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Die Klettertour danach ist weniger spaßig, muss ich doch innerhalb von 800 Metern auch 63 Höhenmeter überwinden. Absteigen? Ich doch nicht! Lancelot schnurrt auf der leichtesten Übersetzung und ich steige mit etwa sieben Kilometern in der Stunde hoch.

Erst jetzt fällt es mir auf: ganz automatisch habe ich zu Beginn der Steigung angefangen "Loch Lomond" zu singen und bin jetzt fast schon oben angelangt. Ganz ohne aus der Puste zu kommen. Phantastisch!

Oben, auf Meereshöhe angekommen, klappert auf holpriger Strecke irgendetwas unter mir. Zum ersten Mal seit Oslo muss ich Werkzeug benutzen. Sowohl ein Trinkflaschenhalter als auch der Fahrradständer haben sich gelockert. Auch die Radkette ist ziemlich trocken. Hoffentlich bleibt es weiterhin bei solchen Lappalien.

Leknes. Hinein in den Ort! Im Supermarkt kann ich mich ordentlich mit frischen Lebensmitteln versorgen. Schön, dass die Telefonzelle am Supermarkt auch mit Münzen gefüttert werden kann. Die Verbindung nach Bochum, in das Büro meiner Frau, ist glasklar.
Ich erreiche auch Vidar in Syltefjord auf der Varangerhalbinsel. Er ist völlig aus dem Häuschen und kann kaum glauben, dass ich inzwischen die Lofotinseln durchquere.

Die alte Straße 815 ist ab Leknes die vermutlich wesentlich leichtere Alternative, um über die Sundklakkbru die kleine Insel Gimsøy zu erreichen. Beide Strecken sind etwa 40 Kilometer lang, ich aber nehme ganz gedankenlos die königliche E10. Da ich nicht weiß, wie schön die andere Strecke ist, freue ich mich über die immer neuen Ausblicke beim Erklettern der E10.
Lästig ist der jetzt doch starke Autoverkehr – die gewöhnlichen Touristen erwachen.

Ich werde richtig müde. Die Extremkletterei im Tunnel, die Kletterei jetzt und der Schlafmangel der letzten 36 Stunden fordern ihren Tribut. Eine kleine Pinkelpause im "Meereshöhenwäldchen" nutze ich, um ein wenig zu schlafen. Nur wenige Meter von der Straße entfernt ist die Isomatte unaufgeblasen schnell ausgerollt. Darauf hingelegt, Kapuze der Regenjacke über das Gesicht gezogen, knipse ich in wenigen Sekunden das Tageslicht aus und wache nach 20 Minuten auf. Es geht mir wieder besser.

Über die Sundklakkbru lande ich auf der mit nur 250 Menschen bevölkerten Insel Gimsøy. Vor mir taucht schon bald danach die 800 Meter lange Brücke über den Gimsøystraumen auf. Dann bin ich auf Austvågøy, der Hauptinsel.
Gleich zu Beginn eine dicke Überraschung. Es rollt mir ein Peloton von knapp zehn Personen auf Rennrädern entgegen. Alles Norweger, alle etwa in meinem Alter oder älter, eine Frau ist dabei. Sie stammen aus dieser Gegend, starteten heute früh in Svolvær und wollen noch bis nach Å. Da sie keine Tourenräder haben, müssen sie ihr Gepäck in Rucksäcken befördern.

Es geht wieder über eine längere Strecke bergauf. Bis Kabelvåg ist es nicht mehr weit. Im Rückspiegel bemerke ich, dass ich von einem wilden Radfahrer verfolgt werde. Als er auf 20 Meter herankommt, packt auch mich der sportliche Ehrgeiz. Ich schalte meinen Turbo ein und ziehe davon. Mein Verfolger kommt trotzdem wieder näher. Alain, ein junger Franzose holt mich ein. Er jobbt hier für drei Monate und ist gerade auf dem Weg zur Arbeit. Die Inseln wären immer schon sein Traum gewesen. Er spricht recht gut Norwegisch. "Du bist ja ganz schön schnell", lobe ich ihn. "Ich habe ja auch nicht soviel zu schleppen wie du", entgegnet er lachend. Alain hat lediglich seinen Norwegerpulli am Gepäckträger mit. Er schwitzt jetzt ordentlich – ich auch! Der Student verabschiedet sich und radelt mir im flacheren Abschnitt davon.
Die Bergziege in mir wacht auf, mich reitet der Teufel: Tour de France auf den Lofoten!
Am Gipfel, als er gerade nach rechts abbiegt, erreiche ich ihn noch. Ich werfe ihm ein eitel-lockeres "Har det bra!" zu. Er winkt mir freundlich und ganz außer Atem zu: "Adjeu!" Auch meine Lunge arbeitet auf Hochtouren, wie bei einem Zielsprint, schön, dass es mein Konkurrent nicht gemerkt hat. Mann, was bin ich doch eitel! Mann, was habe ich jetzt für saure Beine!

Als ich eine wunderschöne, smaragdgrüne Bucht passiere, weiß ich, dass ich fast am Ziel bin.
In einer Kurve, etwas weiter entfernt, sortiert sich gerade eine vierköpfige Radlerfamilie mit zwei halbwüchsigen Söhnen, um in die Sättel zu steigen. Es sind Norweger, sie leben in Oslo und kehren langsam vom Nordkap zurück. Alle tragen über der Kleidung grün-gelbe reflektierende Sicherheitswesten.
Es ist schon merkwürdig: Da begegnet man tausend Kilometer lang – mit Ausnahme von Wilma, der Niederländerin – keinen Radfahrern und trifft jetzt förmlich hinter jeder Ecke Gleichgesinnte. Die Lofoten sind etwas Besonderes!

Die erste Fähre von Fiskebøl/Lofoten nach Melby/Vesterålen morgen früh startet um halb sieben. Um sie zu bekommen, muss ich fast 50 Kilometer eine teilweise hügelige Strecke fahren. Ich denke, dass etwa vier Stunden ausreichen werden.

Donnerstag, 13. Juli
"Am äußersten Ende der Welt": Syltefjord
1993, bei unserem ersten Ausflug zu den Vogelfelsen, mussten wir bei bis zu viereinhalb Meter hohem Seegang in Ytre Syltefjord zwischenlanden. Die uns damals schon entgegenkommenden neugierigen Tölpel der nördlichsten Basstölpelkolonie der Welt faszinierten uns so sehr, dass wir fast übermütig wurden. Vidars Skipperkünsten vertrauend, fuhren wir noch weiter, den Vögeln, Wellenbergen und Wellentälern entgegen. Es war faszinierend zu sehen, wie die fast gänsegroßen Flugkünstler, pfeilschnellen Geschossen gleich, mit etwa 100 km/h kerzengerade in die Fluten eintauchten. Zwar konnten wir uns aus Sicherheitsgründen nur auf etwa 50 Meter den Felsen nähern, ich war aber für immer vom Syltefjordstauran "infiziert".

Vier Nächte später besuchten wir wieder den Stauran. Bei fast spiegelglatter See schipperte Vidar uns sicher mitten in die einzelnen etwa 50 bis 70 Meter tief in die Felsen gesägten, fünf bis sieben Meter breiten und bis 100 Meter hohen "Kirchenschiffe" der "Vogelkathedrale" Syltefjordstauran hinein.Ein fast unbeschreibliches Erlebnis bot sich uns: Von unten, fast schon ab der Wasserlinie bis zum obersten Felsenvorsprung "in Himmelshöhe" in Stockwerken aufgeschichtet, nisteten eng beisammen die verschiedenen Seevogelarten. Der scharfe Geruch von Vogelexkrementen, die während unserer Visite auch reichlich herabfielen, der ohrenbetäubende Lärm der vielen tausend Vögel, die uns gar nicht beachteten – daran gewöhnte man sich schnell. Wir waren fassungslos und sprachlos, soviel pulsierendes Leben hier am äußersten Ende der Welt und auf so engem Raum entstehen zu sehen. Was brauchen wir Menschen doch viel Platz, nur um uns breit machen zu können ...

Bei weiteren Besuchen machte ich mehrere etwa 24-stündige Einzeltouren zu den Vogelfelsen. Bei meiner ersten Wanderung ging ich, mit Kompass ausgestattet und Vidars im Café eingesehene Karte in Erinnerung gespeichert, bei plötzlich von Norden aufkommendem Nebel los. Die Wetteraussichten für Mitternacht waren nicht besonders, ich hoffte aber auf mein Glück.

Das Kraxeln mittels tausender Balancierschritte auf Steinspitzen war mitunter so anstrengend, dass ich manchmal sogar hundert Meter Umweg in Kauf nahm, nur um für fünf, sechs Schritte auf einem der gelegentlich auftauchenden wohnzimmergroßen Moosteppichpolster schreiten zu können. Am Tal, das zur Russevika hinunterführt begrüßte mich um 23 Uhr die Sonne. Ich war über den "Nebelwolken". Der Nebel begann jetzt nach Nordosten, zum Eismeer hin, wegzuziehen. Auch mein weiterer Weg verlief in dieselbe Richtung. Mein Ziel, das nordwestliche Ende des Syltefjordstauran, war kurz vor Mitternacht erreicht.

Selbst in der Mitternachtssonne stehend, blickte ich auf die nördlichste, zunächst noch im Schatten liegende Nistwand mit einigen zehntausend Dreizehenmöwen. Abgesehen von Kolkraben, die bei meinem Erscheinen protestierend lärmten und wegflogen, herrschte um mich herum völlige Stille. Meine Anwesenheit störte die Seevögel nicht. Plötzlich berührte die Sonne den östlichsten Zipfel der Wand und tauchte alles in rötliches Licht. Wie durch einen Zauberstab kam Leben in die Vogelkolonie. Je mehr Nester vom Sonnenlicht berührt wurden, umso mehr Vogellärm durchtönte die Lichtnacht. Gezänk, akrobatische Kampfflüge in der Luft, Geschubse an der Wand. Alles kam mir, auf uns Menschen bezogen, irgendwie bekannt vor.

An manchen Stellen konnte ich bis zu den "Skorbutkrautteppichen" hinunter steigen und aus einem Meter Entfernung Gelege, Jungvögel und Flugkünstler ablichten.
Regelmäßig schossen jetzt Möwen, von einem oder mehreren Seeadlern verschreckt, zu zehntausenden in die Lüfte und beruhigten sich wieder. Angesichts der wenige Kilometer entfernt nistenden Greifvögel mit einer Spannweite von zweieinhalb Metern wirkten sie wie Kleinvögel.

Auf dem weiteren Weg, bin ich im letzten Streckenabschnitt, ganz nahe der Basstölpelkolonie, beinahe schwer verunglückt. Nachdem ich bis zur Meereslinie hinunter gestiegen war und die Großvögel fotografiert hatte, wollte ich nicht denselben langen Weg nach oben zurückgehen, sondern riskierte den Aufstieg über ein Schuttfeld mit etwa 60 Grad Steigung.

An einer Stelle in etwa 200 Meter Höhe sickerte das Schmelzwasser einer Wächte auf den Felsenbereich hinab, an dem ich mich hoch hangelte. Mit beiden Händen an einem Brocken festhaltend und mit dem freien Bein den nächsten Tritt suchend merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Der Schieferstein, an dem ich zunächst Halt fand, begann sich aus seiner Lage zu verabschieden.
Und schon ging es los: Der vielleicht einen Kubikmeter große Brocken löste sich mit dumpfem Geräusch und raste herunter. Im selben Augenblick stieß ich mich von ihm ab, landete selbst rückwärts auf dem Schuttfeld und rutschte ebenso etwa zehn bis fünfzehn Meter auf der Schräge hinab und versuchte dabei, irgendwie zu bremsen. Im Rutschen schaute ich nach oben, ob nicht noch weitere Felsbrocken nachkommen. Ich hatte Riesenglück. Die von mir ausgelöste Steinlawine kam an einer Verengung zum Stillstand.
Wäre es mir nicht intuitiv gelungen wegzuspringen, so wäre ich von der Steinmasse sicher zerquetscht worden. Todsicher!

Mit zerrissenem Hosenboden, Schrammen, Prellungen und blutigen Fingern der rechten Hand, die zum Glück nur aufgerissen aber nicht gebrochen waren, kam ich davon. Noch im Schockzustand und mit viel Glück gelang es mir danach, über die Schneewächte die Kante zu erklimmen. Ich war oben.
Nach drei Stunden erreichte ich Vidars Staurancafé. Den existenziellen Augenblick, den Moment, als der Sturz losging, werde ich niemals vergessen.




Das Geheimnis der 200 Meter
Soll diese Reise eine Radtour sein, so musst du sie wirklich wollen – und es eröffnet sich dir der Weg richtiger Vorbereitung auf allen Ebenen. Willst du sie nicht wirklich, so nützt dir auch eine riesige Sammlung noch so guter Fachliteratur nicht. Möchtest du wirklich durch Dauerlauf ganz allgemein ein neues Lebensgefühl gewinnen oder auch nur dein Gewicht regulieren, so wirst du ganz sicher Zeit finden, deiner Passion nachzugehen.

Deine Grenzen, gleichgültig, auf welchen Ebenen erlebt zu haben, wird für dich eine große Bedeutung haben. Du sollst auch nicht in 18 Nächten mit 30 Kilo Gepäck und Fahrrad belastet die 3000 Kilometer von Oslo bis Kirkenes durchstrampeln und ein Buch darüber schreiben.
Finde deinen eigenen Weg!
Finde deine eigenen "Radlernächte zur Mitternachtssonne"!

Jetzt drückt er sich schon die ganze Zeit um ein ordentliches Trainingskonzept und schwafelt über Hinz und Kunz! – diesen Vorwurf könnte ich gut verstehen, solltest du meine Ausführungen nur durchgeblättert haben. Hast du aber alles aufgenommen, so befindest du dich längst auf deiner Reise.
Dir, wie Jedermann, wird das nun Folgende als Trainingskonzept genügen – wenn du es nicht unterschätzt. Viele Menschen haben die Anregungen schon genutzt, um hervorragende "Finder" auf dem Weg zu sich selbst zu werden..

Ich habe an meiner Schule häufig das Glück, von Schülern der 12. Klasse um die Betreuung ihrer Jahresarbeiten gebeten zu werden. Manche erlernen das Mundharmonikaspiel, andere schreiben und führen ein Theaterstück auf oder bauen eine Segeljacht. Noch andere suchen sportliche Herausforderungen.

"Survival" war vor einigen Jahren ein Thema für Bernhard. Unter anderem wollte er während der Sommerferien vor der 12. Klasse versuchen – innerhalb von 72 Stunden und nur mit Minimalausrüstung versehen – ohne Nahrungsaufnahme 200 Kilometer durch Nordrhein-Westfalen zu wandern. Lediglich mit Wasser durfte er sich nach eigener Vorgabe auf der Strecke versorgen. Bernhard erreichte sein Ziel bereits nach 50 Stunden.

Michael bat mich, seine Jahresarbeit mit dem Thema "Sport und Ernährung" zu betreuen. Nach vielen Jo-Jo-Diäten beschloss er, endlich dauerhaft sein Gewichtsproblem in Griff zu bekommen. Wir trafen uns in der Turnhalle und absolvierten auf dem Schwingboden Punkt 2 der obigen Anleitung. Der Läufer hat in den nächsten elf Monaten 44 kg(!) an Gewicht verloren und erreichte zum Abschluss mit 89 kg Gewicht beim Halbmarathon in Hamm das Ziel in 1h:56 min:30 s!
So wie ihn bereitete ich viele auch weniger sportliche Schüler auf einen Halbmarathon vor.

Walter hat in den Sommerferien 2007 mit seinem 7-Gänge-Rad Deutschland durchradelt. Als die Zeit für die fast 2000 Kilometer-Strecke nicht ausreichte, opferte er noch fünf Tage sehr regenreiche Herbstferien, um das Vorhaben erfolgreich abzuschließen.






Presseecho:

Über die Erfahrungen seines etwas anderen Urlaubs hat [Reinhold Marsollek] nun ein Buch veröffentlicht. Neben dem Reisebericht enthält es auch viele Tipps und Anregungen für Menschen, die etwas Ähnliches planen ... Schon die Widmung verrät, für wen dieses Buch gedacht ist: für Skandinavienfans, Träumer und Menschen, die wieder fit werden möchten.
Schnell merkt der Leser, dass es nicht Marsolleks erste Skandinavienreise ist. Als guter Beobachter beschreibt er die Eigenheiten des Landes und seiner Bewohner ... Eigene Erfahrungen vermischt er mit umfangreichen Zusatzinformationen, so dass das Buch zum echten Reiseführer werden kann.

Die Besonderheit einer solchen Reise liegt sicher auch in der Selbsterfahrung. Den Gedanken, die sich Marsollek bei seiner einsamen Radtour macht, gibt er ... genügend Raum.
Außerdem ist zwischen den Buchdeckeln eine wahre Fundgrube an Material- und Organisationstipps ...
Wer also nach der Lektüre Lust bekommt, selbe einmal eine solche Reise zu wagen und Elche zu sehen, ... findet fast alles, was er zur Vorbereitung benötigt.
Lutz Tomala, Westdeutsche Allgemeine Die Zeitung des Ruhrgebiets, 17.10.2009  Artikel lesen


Auf dem Weg zur Mitternachtssonne
"
Will man etwas verwirklichen, so muss man anfangen!" Ein Credo, an das sich Reinhold Marsollek selbst gehalten hat und immer wieder hält. Und deshalb ist er mit seinen 55 Jahren nicht nur in körperlich grandioser Verfassung, er hat sich mti einer Fahrradtour durch Norwegen zudem einen Traum erfüllt, seiner Erlebnisse dokumentiert und sie in einem Buch veröffentlihcht, mit dem er aktuell auf Lesetour ist.
Stadspiegel Bochum, 3.2.2010 Artikel lesen



Reinhold Marsollek erfüllt sich einen Traum
Dass sein Buch "18 Nächte zur Mitternachtssone auf so großes Interesse stoßen würde, hatte er nicht vermutet. Der Begeisterung über seinen ungewöhnlichen Trip können sich die Leser nicht entziehen ...
Menschen, die sich nicht trauen, ihre Träume wahr zu machen, die sich körperlich nicht viel zutrauen, oder noch vom Erkenenn ihrer Kräfte träumen – für sie alle hat er seine Erfahrungen festgehalten ... Der 55-Jährige beschreibt Landschaften, die Mitternachtssonne, aber auch Menschen mit ihren Eigenheiten, erzählt von Hindernissen und Umwegen ...
Genauso wie seine Begeisterung wird auch die Erschöpfung bei schwierigen Strecken und widrigem Wetter deutlich. Neben Streckenbeschreibungen machen gerade seine Gedanken, die er sich bei seinen einsamen Fahrten macht, das Buch aus.
Ruhrnachrichten, 26.11.2009  Artikel lesen



Radel deinen Traum
Mitreißend und informativ: Radreisebericht der Sorte "Geheimtipp"
Will man etwas verwirklichen muss man einfach anfagen! Davon war und ist Reinhold Marsollek überzeugt. Und hat's deshalb einfach gemacht ... 3000 Kilometer weit vom südlichen ans nördliche Ende Norwegens zu radeln ...
Die Continentale, 4/2009  Artikel lesen

© 2009 Reinhold Marsollek