Ingrid Leppack  „Alltagsallerlei“            



Alltagsallerlei




Alltagsallerlei
aufgeschrieben von Ingrid Leppack
illustriert von Hans-Joachim Leppack

Ingrid Leppack: Alltagsallerlei, Format 13 x 21 cm,
Paperback, 110 Seiten

In der Vergangenheit kramen





Leseprobe



Immer nobel

Wir waren erst kurze Zeit Mann und Frau und bewohnten ein einziges Zimmer, in dem man eigentlich immer alles hätte finden müssen – oder wir hatten noch nicht die optimalsten Möglichkeiten gefunden.
Apropos, gefunden haben wir einmal nicht die Manschettenknöpfe meines Mannes, als wir seine Familie besuchen wollten. Da ich in der Eile nichts Besseres fand, knotete ich jeweils ein grünes Bändchen durch die Knopflöcher (die Jackettärmelverdeckten ja alles).
In einer größeren Stadt unterbrachen wir unsere Fahrt, um einiges einzukaufen; denn es hat sich hierzulande eingebürgert, dass man ohne Geschenke keine Besuche macht. Das war erledigt und bis zur Weiterfahrt noch Zeit für eingutes Mittagessen – natürlich in einem guten Restaurant! (Sicher hatten wir kurz vorher Jahresendprämie kassiert.)

Im Restaurant herrschte der für die Mittagszeit übliche Betrieb, aber wir fanden noch Platz bei einem einzelnen Herrn an einem kleinen Tischchen. Wir bestellten Gänsebraten. Es wurde serviert und mein Mann erinnerte sich, dass man laut Knigge Geflügel in die Hand nehmen darf. So geschah es dann auch. Er nahm die Gänsekeule in die Hand, wobei die Jackettärmel langsam aber sicher höher rutschten und auf den strahlend weißen Hemdsärmeln kleine grüne Schleifchen leuchteten. Das war mir peinlich. Ich versuchte zuerst mit Blicken, ihn an die fehlenden Manschettenknöpfe zu erinnern.

Das half nicht. Genießerisch nagte er an seiner Keule. So musste ich also schwere Waffeneinsetzen und benutzte dazu meine Schuhspitze unter dem Tisch. Ich muss mich dabei einmal in der Richtung geirrt haben, denn der Herr an unserem Tisch musterte mich eigenartig.
Ich brachte kaum einen Bissen herunter. Mein Mannschob bereits seinen Teller beiseite und zündete sich eine Zigarette an, wobei er mich anstrahlte. Zum Glück mussten wir zum Zug.
Als ich auf dem Bahnsteig meine nutzlosen Erinnerungsversuche schilderte, lachte er nur!
„Wenn es tatsächlich jemand bemerkt hat, so denkt er vielleicht, das ist der letzte Schrei“,
war seine Meinung.

Immer nobel



Flutwelle – Wutquelle

Das war wieder einmal ein Sommer! Alle, die nicht in Urlaubgefahren sind, waren froh, denn schlechtes Wetter verkraftet man im allgemeinen am besten in den eigenen vier Wänden. Nachbarn, Bekannte und Kollegen, die eine FDGB- oder Campingreise hinter sich hatten, gaben natürlich nicht zu, dass es im Grunde doch ein vergammelter Urlaub war.
Da wir zu der ersten Gruppe gehörten, hatten wir in den drei Wochen Zeit und Muße, aktive Erholung auch im eigenen Haushalt zu pflegen, denn wer schafft schon alles im übrigen Teil des Jahres? Außerdem waren die Kinder viel unterwegs, deshalb konnten Gardinen, Fenster und Teppiche gereinigt sowie Schränke mal wieder gründlich aus-, um- und eingeräumt werden. Voller Stolz kehrten wir an unseren Arbeitsplatz zurück.

"Na, wie war's im Urlaub?"– "Ach, na ja – das Wetter hätte ja besser sein können, aber wir haben trotzdem viel unternommen ..." Fröhlich betraten wir abends unsere blitzende Wohnung und erfreuten uns am schaumgereinigten Teppich. Wir saßen alle in der Küche, und es wurden die ersten Neuigkeiten ausgetauscht. Draußen zogen schwarze Wolken auf und ein entferntes Donnergrollen war zu vernehmen. Das störte uns jedoch nicht; auch der wolkenbruchartige Regen brachte uns nicht aus der Ruhe, wir saßen ja schließlich im Trockenen.

Dann ging unsere Tochter in ihr Zimmer und rief laut: "Das Wohnzimmer schwimmt!"
Ich dachte, sie meint die Fensterbretter und ergriff einen Lappen. Wahrscheinlich habe ich "Laut gegeben", denn im gleichen Augenblick standen Vater und Sohn hinter mir.
Unser Wohnzimmer von ca. 26 Quadratmeter Größe stand einige Zentimeter hoch unter Wasser. Etwa drei bis vier Quadratmeter waren noch trocken.
Ein Blick durch das Fenster zeigte unseren Balkon etwa 15 cm hoch mit Wasser angefüllt. Der Abfluss hatte den Guss nicht geschafft und durch die Balkontür sprudelte es nur so herein. Schleunigst wurden alle Möbel herausgeschafft und dann Eimer um Eimer der schöne saubere Teppich entwässert.
Wir liefen barfuss wie auf einer überschwemmten Wiese. Es war ein schrecklicher Anblick. Als die Auslegeware "nur noch tropfnass" war, schleppten wir die einzelnen Bahnen auf den Boden. Unter größter Anstrengung und Verwendung zweier Leitern gelang es, alle Teile über die Dachbalken zu hängen. Da tropfte er nun vor sich hin, der urlaubsspezialschaumgereinigte Teppich.
Wir trösteten uns damit, dass auch andere Menschen hin und wieder von Naturkatastrophen heimgesucht werden.



Kurzzeitwecker

Eine liebe Tante schenkte unserem Sohn eine Papp-Trompete. Sie gefiel ihm sehr und musste natürlich mit in sein Bettchen, das in unserem Schlafzimmer stand.
Mitten in der Nacht fuhren wir erschreckt aus dem Schlaf. Als die Nachttischlampe brannte und es uns gelungen war, die Augen zu öffnen, bot sich folgendes Bild: Quietsch vergnügt saß unser Sprössling in seinem Bettchen und gab Trompetensignale von sich.
Ich nahm ihm das Instrument weg. Der daraufhin einsetzende Lärm war weitaus größer als zuvor. Wir sagten uns jedoch, ein nachts schreiendes Kind ist nicht so ungewöhnlich wie Trompetenstöße.






Kurzzeitwecker


Würze






Würze
Ferien bei den Großeltern auf dem Lande. Oma bereitet das Essen. Auf dem Herd schmurgelt der Sonntagsbraten. Der Enkel kommt aus dem Buddelkasten und wirft in Windeseile eine Handvoll weißen Sand in den Bratentopf. Strahlend erklärt er der Oma: "Hab" schon Pepper rangemacht



Radfahren


© 2007 Ingrid Leppack





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