Märkische Oderzeitung, Frankfurter Stadtbote vom 15.09.2005

Gisela Waligora, Frankfurt, Gedichte einer Spaziergängerin

Viele Menschen schreiben. Manche fangen erst im Alter damit an, um ihren Kindern und Enkeln von ihrem Leben zu erzählen. Andere schreiben schon seit ihrer Jugendzeit. Und viele träumen irgendwann davon, das Geschriebene als Buch gedruckt zu sehen. Die Frankfurterin Gisela Waligora hat sich diesen Traum jetzt erfüllt.

35 Jahre lang hat die in Frankfurt geborene Gisela Waligora als Bibliothekarin gearbeitet – bis auf eine kurze Zeit in Angermünde immer in Frankfurt, in der Stadtbibliothek. Und noch viel länger schreibt sie schon. "Bereits in jungen Jahren habe ich Gedichte verfasst. Damals packte mich der Übermut und ich dachte daran, mal eine große Dichterin zu werden", erzählt die heute 69-jährige.

"Ich war viel in der Natur und wurde da zum Schreiben angeregt. Viele Texte entstanden auch in meiner kurzen Landschulzeit. Ich habe eine Lehrerausbildung", erklärt Gisela Waligora. Doch dann beschäftigte sie sich doch mehr mit den von anderen geschriebenen Texten. Die eigenen Werke wanderten in die Schublade, besser gesagt in zwei Kinderkoffer, die inzwischen voller Manuskripte sind.

Das Schreiben hat sie eben nie ganz losgelassen. Vor allem seit sie Rentnerin ist, widmet sich die Frankfurterin dieser Leidenschaft wieder mehr. Und es entstand die Idee, sich mit einem Buch selbst ein Geschenk zu machen. In Gabriele Lehmann aus Jacobsdorf fand Gisela Waligora eine Verlegerin, die ihr Anliegen verstand. Ihr kleines Verlagshaus versos VerlagsService OderSpree realisiert vor allem Kleinstauflagen ab 25 Exemplare bis hin zu größeren Projekten.

"Wir sind ein Partner für viele, die es vorher bei anderen Verlagen oder auf eigene Faust versucht haben, ihre Bücher herauszugeben und dabei scheiterten", erzählt die Verlegerin. Gabriele Lehmann gibt Hilfestellung bei Satz und Layout, übernimmt das Lektorat. So sind bereits mehrere Bücher entstanden. Manche nur für private Zwecke, z.B. wenn ältere Menschen für ihre Familie aus ihrem Leben erzählen. Ein Büchlein entstand z. B. als Geschenk zur Konfirmation.

Mit Gisela Waligora und Gabriele Lehmann haben sich zwei Frauen gefunden, die sich auf Anhieb verstanden, die einen Draht zueinander haben. Das sei wichtig für die Arbeit an einem Buch. "Ich wollte einen Verlag in der Region, zu dem ich unkompliziert Kontakt halten kann", sagt die Autorin.

Und die Verlegerin hält sich sehr sensibel zurück, gibt nur hier oder da dezent einen Hinweis, wo etwas besser zu machen wäre. Doch die Texte von Gisela Waligora, so Gabriele Lehmann, bräuchten keine Veränderung. Die Autorin habe sie ausgewählt und zum Teil überarbeitet sowie das Foto für den Einband aus mehreren vorliegenden Motiven ausgewählt. Auch der Titel des Gedichtbändchens "die spaziergängerin von F. " sei ihre Idee gewesen.
Seit wenigen Wochen ist der Band nun zu haben. Er ist in einer Auflage von 50 Stück erschienen und in der Huttenbuchhandlung zu erhalten.

Die Autorin ist überrascht von den positiven Reaktionen, die sie bereits kurz nach Erscheinen von Bekannten erhalten hat. Und sie will weitermachen. "Jetzt habe ich Blut geleckt", bekennt die Frankfurterin. Sie arbeitet inzwischen an einem zweiten Buch, das sie wieder gemeinsam mit Gabriele Lehmann herausbringen will. Wieder sollen es Gedichte sein, die von ihren Spaziergängen, aber auch von den "Freuden des Altwerdens" erzählen, so die Schreiberin.

Neben einigen bereits vorliegenden Texte oder Variationen dazu, will die pensionierte Bibliothekarin dieses Mal auch viele neue Texte einbringen. Zum Schreiben habe sie schließlich viel Zeit. Dabei sei sie nicht der Schreiber der sich zu einer bestimmten Zeit für eine festgelegte Stundenanzahl zur Arbeit setzt, sondern immer dann, wenn eine Idee da ist.

"Ich schreibe ganz spontan, aus Spaß an der Freude", sagt Gisela Waligora. Und sie hält es da mit Wallace Stevens, denn auch für sie ist Schreiben eine Möglichkeit, für sich die "Welt ins Lot zu bringen". Ideen sammelt sie bei ihren Spaziergängen durch die Stadt, bei Reisen oder einfach beim Blick aus ihrem Fenster. Da sie in einem Hochhaus an der Sophienstraße wohnt, eröffnet ihr dieser weite Horizonte.
Karin Sandow, Märkische Oderzeitung vom 15. September 2005



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